Jugendhilfe sollte keine Systemfehler ersetzen!

Marco Zscherny, Leipziger Stadtrat (BSW)

25. März 2026

Der Stadtrat hat beschlossen, das sogenannte „Pooling“ bei der Schulbegleitung auf alle Schulen auszuweiten. Dies sehe ich kritisch. Ich habe über viele Jahre in der ambulanten Sozialarbeit gearbeitet, unter anderem als Schulbegleiter. Dabei umfassten meine Aufgaben in den Einzelfallhilfen nach §35a SGB VIII die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen, geprägt von Vertrauen und kontinuierlicher Beziehungsarbeit.

Beim Pooling – also wechselnden Schulbegleitern für mehrere Kinder mit kurzen Betreuungszeiten – ist eine solche Beziehungsarbeit aus meiner Sicht kaum möglich. Pooling mag für einfache Aufgaben sinnvoll sein, doch bei komplexen Inklusionsfällen können die Bedürfnisse der Kinder nur eingeschränkt berücksichtigt werden. Tatsächlich entspräche die Aufgabenbeschreibung des Poolings eher den Tätigkeiten der pädagogischen Unterrichtshilfen, die als Teil des Lehrerkollegiums vom Land finanziert werden sollten. Damit wäre die Zielsetzung, dass Jugendhilfe nicht die strukturellen Probleme im Schulsystem ausgleichen soll, besser erfüllt.

Zudem liegt bislang keine belastbare Evaluation vor; die bisherigen Erfahrungen umfassen nur ein halbes Schuljahr. Daher sollten zunächst die Daten und Rückmeldungen ausgewertet werden, bevor eine flächendeckende Ausweitung erfolgt.

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