Bauturbo ≠ Bauturbo

Sascha Jecht

10. Februar 2026

Der vom Bund erlassene Bauturbo ist eine Chance, mehr zu experimentieren und mehr zu ermöglichen, gerade dort, wo Bauen in den letzten Jahren oft nicht leichtgängig war. Leipzig täte gut daran, mutig zu sein. Mut ist nötig, weil man sich durchaus etwas ins Risiko wagt.

Die Sorge vor innerstädtischem Wildwuchs, also dem Verlust des Maßstabs, treibt viele um; zugleich liegt gerade darin auch erst die Chance, mehr bauen zu können. Abseits sensibler Innenstadtecken sollten ein oder zwei Geschosse extra niemandem schaden. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit und schafft in Zeiten der Wohnraumknappheit zusätzliche Wohnungen.

Das größere Problem sind ohnehin eher die anspruchslosen Fassaden der Gegenwart. Worauf die Stadt aber nicht verzichten kann, ist mietpreisgebundener Wohnraum. Aufgrund des Mangels an kostengünstigen Wohnungen bei gleichzeitiger Zunahme der Mietkostenanteile für untere und mittlere Einkommensschichten führt kein Weg am Bau von Sozialwohnungen vorbei. Da deren Bau jedoch von der privaten Bauwirtschaft getragen werden soll, ist eine realistische Balance erforderlich.

Der grundlegende Fehler besteht weiterhin darin, dass der Staat weder ausreichend fördert noch selbst im nötigen Umfang Wohnungen in diesem Segment errichtet. Aber genau das wäre der eigentliche Bauturbo.

Mehr Beiträge