„Demokratie erinnern, Verantwortung übernehmen“ – Ein Rückblick auf die BSW-Veranstaltung zum Tag der Demokratiegeschichte

7. August 2026

Welche Lehren lassen sich aus den demokratischen Umbrüchen von 1989 und 1990 für die Gegenwart ziehen? Mit dieser Leitfrage beschäftigte sich die Veranstaltung „Demokratie erinnern, Verantwortung übernehmen“, zu der die BSW-Fraktion im Leipziger Stadtrat am 20. März im Rahmen des „Tags der Demokratiegeschichte 2026“ eingeladen hatte. Ziel der Veranstaltung im Neuen Rathaus war es, historische Erfahrungen mit aktuellen Fragen demokratischer Teilhabe und gesellschaftlicher Verantwortung in Beziehung zu setzen.

Nach der Begrüßung eröffnete Stadtrat Thomas Kachel den Abend mit einem inhaltlichen Impuls. Aus einer materialistischen Perspektive blickte er auf die Entwicklungen der Jahre 1989 und 1990 zurück und kontrastierte die basisdemokratischen Ansätze der ostdeutschen Bürgerbewegungen mit den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Nachwendezeit. Er vertrat die Auffassung, dass die Erfahrungen der Transformation bis heute das Verhältnis vieler Ostdeutscher zur repräsentativen Demokratie prägen.

Im anschließenden Hauptvortrag setzte sich Dr. Gerald Deßauer aus Berlin mit der Entwicklung der heutigen Parteiendemokratie auseinander. Er vertrat die These, dass politische Entscheidungen wieder stärker am Gemeinwohl ausgerichtet und Bürgerinnen und Bürger direkter in demokratische Prozesse eingebunden werden sollten. Anhand historischer Beispiele – unter anderem der portugiesischen Nelkenrevolution – stellte er verschiedene Ansätze zur Weiterentwicklung demokratischer Mitwirkung vor. Zudem sprach er sich für eine stärkere Öffnung von Parteilisten für parteilose Kandidaten aus und stellte die Arbeit seines neu gegründeten „Vereins für Frieden und gelebte Demokratie“ vor.

An die Vorträge schloss sich eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum an, die in der Videoaufzeichnung der Veranstaltung nicht enthalten ist. Dabei wurden die angesprochenen Themen vertieft und unterschiedliche Perspektiven auf demokratische Mitbestimmung, politische Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt diskutiert.

Wir bedanken uns bei Dr. Gerald Deßauer für seinen Vortrag sowie bei allen Gästen für ihr Interesse und die engagierte Beteiligung. Die Veranstaltung zeigte, dass das Interesse an der Auseinandersetzung mit Demokratiegeschichte ungebrochen ist – nicht nur als Erinnerung an vergangene Ereignisse, sondern auch als Ausgangspunkt für die Diskussion über die demokratischen Herausforderungen unserer Zeit.

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