Es lohnt sich nicht

Ralf Pannowitsch, Leipziger Stadtrat (BSW)

5. November 2026

Anfang Oktober ging ich zu der so feierlichen wie verregneten Eröffnung des Sellerhäuser Viadukts und war begeistert: ein schmaler langer Parkstreifen auf einer alten Eisenbahn-Hochstrecke, aufwändig gestaltet und erlesen bepflanzt. Letzte Taglilien strahlten neben ersten Christrosen, rosa Blütenkerzen vom Knöterich leuchteten neben violettblauem Storchschnabel. So etwas kannte ich bisher nur aus Paris.

In der Woche darauf fuhr ich mit einem auswärtigen Freund wieder dorthin, weil ich mit der neuen Sehenswürdigkeit ein bisschen angeben wollte. Diesmal strahlend blauer Himmel und – eine ärgerliche Überraschung!

Die Leipziger hatten, um es freundlich auszudrücken, ihren neuen Park bereits in Besitz genommen: Überall Graffiti, Abfall flatterte durch die Gegend, auf den Bänken Aufkleber, daneben leere Bierflaschen. Zwei junge Frauen hatten ihre Hintern mitten in die Pflanzungen gedrückt und genossen die warme Herbstsonne. So sah es nach kaum einer Woche aus, und man kann sich unschwer ausmalen, wie sich das Ganze nach einem Monat präsentiert: trist und dreckig unterm Novemberhimmel.

Und nach einem Jahr: hoffnungslos vergammelt. Leute, seht ihr denn nicht, welches Juwel unsere Stadt hier bekommen hat?

Manchmal möchte ich sagen: Ach, lasst es sein, es lohnt sich nicht …

 

 

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